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Alte Musik

Unter dem Begriff Alte Musik versteht man das musikalische Schaffen in den Epochen des Mittelalters, der Renaissance, des Barock und der Klassik. Wir sprechen also von etwa acht Jahrhunderten Musikschaffen.

Wie hört sich Alte Musik an?

Alte Musik ist leicht wie Tanzmusik und lebendig wie das gesprochene Wort. Der Begriff Artikulation spielt hier eine besondere Rolle. Alte Musik kann als Dialog zwischen den Instrumenten oder musikalischen Elementen verstanden werden: Diese Musik erzählt eine Geschichte, und sie zeichnet sich immer durch Lebendigkeit und Spontaneität aus, ob in der Tanz- oder Charaktermusik. Im Gegensatz zu späteren Kompositionen diente der Notentext damals lediglich als Vorlage. Variation und Improvisation im Vortrag wurden vorausgesetzt und zeichneten einen hervorragenden Musiker aus.

Historische Musikinstrumente

Unser heutiges Instrumentarium ist das Ergebnis jahrhundertelanger Entwicklung. Kompositionen vergangener Epochen verändern sich bei der Wiedergabe auf heutigen Instrumenten wesentlich: Klang und Spielweise unterscheiden sich grundlegend. Nur der Vortrag auf historischen Instrumenten erlaubt es uns, die Klangwelt der damaligen Zeit zu erleben.

Historische Aufführungspraxis

Zur Interpretation auf historischen Instrumenten gehört unvermeidlich die Auseinandersetzung mit der Aufführungspraxis der vergangenen Zeit. So wie sich die Menschheit entwickelte, entwickelte sich auch ihr Sinn für Ästhetik und ihr Verständnis von Musik. Der heutige Musiker zieht sowohl das Autograph, als auch Traktate, Schriften und Briefe des Komponisten oder seiner Zeitgenossen zu Rate. So erhält er ein lebendiges Bild der damaligen Klangwelt und lässt es in seinen Vortrag einfließen.

Cembalo, Fortepiano und Klavier: eine Kurzgeschichte

Im Cembalo werden die Saiten mittels Springer gezupft. Dies wird durch den Tastenanschlag ausgelöst. Durch diese einfache Mechanik können in einer mittleren Lautstärke nur lange oder kurze Töne erzeugt werden. Eine Variation der Lautstärke durch den Tastenanschlag ist nicht möglich. Mit Hilfe von Registerwechseln (jeweils eines beider Saitenchöre oder beide zusammen gezupft) gelingen jedoch Variationen der Klangfarbschattierungen.

Das Cembalo wurde Mitte des 15. Jahrhunderts in Italien entwickelt. Das Ur-Instrument ist die Psalter, ebenfalls Mutter der Harfe. In den darauf folgenden 200 Jahren wurde das Cembalo in Flamen und Frankreich modernisiert und bekam unter anderem ein zweites Manual (Tastatur). Das 18. Jahrhundert war die Blütezeit des Cembalo.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein neues Instrument entwickelt: ein Cembalo, das sowohl „forte“ (laut) als auch „piano“ (leise) spielen konnte - das Fortepiano, auch Hammerflügel genannt. Die Saite wird hier nicht mehr gezupft, sondern mit einem Hammer angeschlagen. So ermöglicht es dieser neue Mechanismus, durch einen Tastenanschlag mit variierendem Druck die Lautstärke zu verändern. Den Komponisten eröffnete sich dadurch eine ganz neue Welt klanglicher Möglichkeiten. Nicht nur laut und leise, sondern nahezu unendlich viele Klangfarben konnten diesem Instrument entlockt werden. In der Zeit des Sturm und Drang erlaubte dieses Instrument dem Spieler, seine innigsten Gefühle auszudrücken. Zudem erfreute sich dieses "moderne" Instrument in der neu entstandenen Bourgeoisie großer Beliebtheit. Das Cembalo war, im Gegensatz dazu, weiterhin ein Instrument des Adels. Durch die Französische Revolution endete das Cembalo, wie auch seine fürstlichen Gönner, auf dem Schafott.

Das Fortepiano entwickelte sich mit den Anforderungen der Komponisten weiter. Es bekam einen metallenen Rahmen, um die immer größer werdende Spannung der Saiten auszuhalten. So reisen wir durch die Jahrhunderte bis zu dem Instrument, das wir heutzutage Konzertflügel nennen.

Anfang des 20. Jahrhunderts bemühten sich Musiker wie Wanda Landowska, das Cembalo wieder bekannt zu machen. Leider versuchten die Instrumentenbauer, die modernen Techniken des Klavierbaus auf das Cembalo anzuwenden – mit unschönen Ergebnissen.

In den 60er und 70er Jahren wurden einige Musiker wie Gustav Leonhardt wieder auf die historischen Musikpraktiken aufmerksam: sei es im Instrumentenbau, im Vortrag oder in der Noten-Herausgabe. Die Gründer der Friedenauer Kammerkonzerte, Bradford Tracey und Rolf Junghanns, machten die Suche nach dem Klang historischer Musik zu ihrer Lebensaufgabe. Heutzutage co-existieren sowohl der moderne Konzertflügel als auch das Fortepiano und das Cembalo in historischer Bauweise.

© 2010 Maria Busqué